Erzählt aus der Sicht eines Welpen

Es passiert viel zu oft im Stillen: Würfe, die „überflüssig“ sind, Hunde, die niemand mehr will – und dann schnell irgendwo „entsorgt“ werden.
Mit diesem Text möchten wir eine dieser Nächte zeigen. Nicht mit Zahlen oder Fakten, sondern mit einem Blick in die Augen eines Welpen, der nicht versteht, was mit ihm geschieht.

Sie haben mich von meiner Mama weggerissen.

Eben lag ich noch warm an ihrem Bauch, eingeklemmt zwischen meinen Geschwistern, alles roch nach Milch und nach Zuhause. Dann kamen Hände. Sie fassten zu, viel zu fest, viel zu schnell. Ich piepste, meine Schwester jaulte, einer meiner Brüder versuchte, sich in Mamas Fell zu vergraben.

Mama bellte. Kein Spiel-Bellen. Ein tiefes, verzweifeltes Bellen, das ich noch nie von ihr gehört hatte.
Trotzdem nahmen sie uns mit.

Einer nach dem anderen verschwanden wir aus ihrem warmen Fell in etwas Hartes, Fremdes. Eine Kiste, die nach Pappe und Staub roch, nicht nach Leben. Der Boden war kalt und ein bisschen rau, als hätte er schon lange in einer Ecke gestanden. Ich hörte Mamas Krallen auf dem Boden, das Scharren, ihr Bellen, das immer leiser wurde.

Dann wurde die Kiste hochgehoben.

Alles wackelte. Meine Geschwister drückten sich an mich, einer trat mir aus Versehen auf den Bauch, ein anderer suchte verzweifelt nach einer Zitze, die nicht mehr da war.
Draußen hörte ich dieses tiefe Brummen, das große Ding, in das Menschen steigen, wenn sie irgendwohin fahren. Ich weiß nicht, wie es heißt. Ich weiß nur: Es macht mir Angst.

Das Brummen wurde lauter, der Boden vibrierte unter unseren kleinen Körpern. Wir wurden nach rechts gedrückt, dann nach links, einmal kurz nach vorne.
Niemand erklärte uns, warum Mama nicht bei uns war.

Irgendwann hörte das Brummen auf. Die Kiste wurde wieder angehoben, kurz getragen und dann abgestellt. Diesmal klang der Ort anders.
Die Luft roch nach nasser Straße, kalter Nacht, ein bisschen nach Müll und etwas Metallischem. Kein vertrauter Geruch, kein Zuhause.

Der Deckel über uns bewegte sich, einen Augenblick lang kam ein dünner Streifen Luft hinein, dann wieder Dunkelheit. Schritte entfernten sich.
Nicht rennend. Nicht zögernd. Einfach… gehend. Weg.

Die Person, die uns von Mama weggerissen hat, ist gegangen.
Ohne uns mitzunehmen.
Ohne sie zurückzubringen.

Zuerst war es ganz still.
Dann begann einer meiner Brüder zu wimmern. Ganz leise, so, als würde er versuchen, das Geräusch zu verstecken. Meine Schwester antwortete, höher, dünner. Noch jemand fing an zu weinen.
Am Ende weinten wir alle.

Die Nacht drückt von außen gegen die Wände der Kiste.
Der Boden unter uns wird feucht – von unseren Pfoten, von unseren Bäuchen, von unserer Angst. Wir drängen uns aneinander, so eng wie möglich, aber die Wärme von Mama fehlt. Dieses tiefe, ruhige Atmen, das immer gesagt hat: „Ihr seid sicher.“

Jetzt ist da nur unser eigenes Zittern.

Mein Bauch tut weh. Er fühlt sich leer und schwer zugleich an. Ich kenne dieses Ziehen – es bedeutet Hunger. Sonst hieß Hunger: laut rufen, und Mama kommt.
Jetzt kommt niemand.

Meine Zunge ist trocken. Sie klebt ein wenig an meinem Gaumen. Ich nuckle an Fell, an einer Pfote, an der Ecke der Decke, die jemand mit in die Kiste gelegt hat. Es hilft nicht. Es schmeckt nicht nach Milch.

Draußen plätschert Wasser auf den Boden, als würde der Himmel weinen. Irgendwo in der Nähe knallt eine Tür, Schritte kommen näher. Sie werden lauter, halten direkt neben uns.
Einen Herzschlag lang wagt keiner von uns, sich zu bewegen.

Ich höre ein kurzes, scharfes Einatmen. Ein Rascheln. Dann… weitergehende Schritte.
Die Kiste bleibt zu.

Die kleine Hoffnung, die kurz in meiner Brust aufgeflackert ist, fällt in sich zusammen wie eine nasse Decke.

Wir pressen uns noch dichter zusammen, bis ich nicht mehr weiß, wo meine Pfote endet und die meines Bruders beginnt. Ich spüre seinen Herzschlag an meiner Seite, schnell und unruhig. Meine Schwester schiebt ihre Nase in meinen Nacken und atmet flach.

Wir wissen nicht, wie lange wir schon hier liegen.
Wir wissen nicht, wie spät es ist.
Wir wissen nur, dass es falsch ist, in einer dunklen Ecke zu liegen, ohne Mama, ohne Wärme, ohne eine Stimme, die unseren Namen kennt.

Unsere Stimmen werden heiser vom vielen Weinen. Irgendwann kommen nur noch kleine, kratzige Laute heraus. Manchmal werden wir ganz still, weil die Müdigkeit uns überrollt wie eine Welle. Doch jedes Knacken, jedes fremde Geräusch reißt uns aus diesem Halb-Schlaf.

Wir vermissen sie so sehr, dass es wehtut, wenn wir atmen.
Wir vermissen ihren Geruch, ihre Zunge, die uns trocken leckt, das Brummen in ihrer Brust, wenn wir zufrieden an ihr liegen.

Stattdessen ist da nur diese Kiste in einer dunklen, kalten Ecke irgendwo draußen, fern von allem, was wir kannten.

Wir sind allein.
Wir haben Hunger.
Wir haben Durst.
Und wir verstehen nicht, warum.


So oder so ähnlich sieht es aus, wenn Welpen „einfach ausgesetzt“ werden.
Hinter jedem Karton, jeder Kiste, jedem gefundenen Wurf steht eine Geschichte, die niemand von ihnen verdient hat.

Ich engagiere mich ehrenamtlich beim Tierschutzverein Glück für Pfoten e.V. – Der Weg in ein neues Leben und freue mich über jede Unterstützung, die unseren Schützlingen hilft: durch Adoption, Patenschaft, Spenden oder indem ihr ihre Geschichten weitertragt. Jede Stimme macht einen Unterschied. 🐾

Schaut doch gerne mal auf der Website vorbei; https://www.glueck-fuer-pfoten.de/

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