Hallo meine lieben Buchmäuse,
manchmal denke ich an Bücher zurück, die mich begleitet haben.
Ich weiß noch, wo ich sie gelesen oder gehört habe, in welcher Stimmung ich war, manchmal sogar, welcher Satz hängen geblieben ist. Was ich fast nie weiß: wie viele Sterne sie bekommen hätten.
In der Buchwelt wird viel bewertet. Sterne, Punkte, Zahlen. Sie geben Orientierung, sie sind schnell erfassbar und für viele hilfreich. Und trotzdem merke ich immer öfter, dass sie mir beim Lesen gar nicht so viel sagen. Denn die Bücher, die bleiben, sind selten die, die perfekt abschneiden, sondern die, die etwas in mir auslösen.
Was ich mir wünsche, ist ein entspannterer Umgang damit. Weniger Festhalten an Sternen, mehr Raum für Ehrlichkeit. In der Buchbubble schwingt oft dieses leise schlechte Gewissen mit. Als müsste man ein Buch mögen, weil jemand so viel Herzblut hineingesteckt hat. Und ja, Autorinnen und Autoren arbeiten hart an ihren Geschichten, an Welten, Figuren und Ideen, die sie lieben. Das sehe ich. Das verstehe ich.
Aber genau dieses schlechte Gewissen macht es schwer. Für Leserinnen und Leser, für Bloggerinnen und Blogger, für den Austausch insgesamt. Es hilft niemandem, sich durch Geschichten zu quälen, nur um fair zu sein. Fairness bedeutet nicht Durchhalten. Fairness bedeutet ehrlich zu sein.
Ein Buch oder ein Hörbuch abzubrechen ist keine Abwertung. Es ist kein Urteil über Qualität oder Talent. Es ist einfach die Feststellung, dass es gerade nicht gepasst hat. Wegen der Stimmung, des Tempos, der Stimme, des Themas oder des eigenen Moments im Leben. Das darf gesagt werden. Ohne Rechtfertigung. Ohne Schutzschild in Form von Sternen.
Vielleicht würde vieles leichter werden, wenn wir uns wieder trauen würden, genau das auszusprechen. Zu erklären, warum etwas nicht funktioniert hat, statt es mit einer schlechten Bewertung abzuschließen. Zu sagen: Es war nicht schlecht. Es war nur nicht meins.
Lesen soll verbinden.
Nicht belasten.


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